Sie sind hier: Home / Programm
Editorial
Durchblick

 

"Ich blick‘ nicht durch" - ein Horrorwort vor jeder Prüfung. Umgekehrt preist sich glücklich, wer sagen kann: Mir ist alles klar.
Das gilt aber nicht nur im Zusammenhang mit Prüfungen: ganz tief in uns meldet sich der Drang, verstehen und begreifen zu wollen, was „die Welt im Innersten zusammenhält“.
Dieser Wille zum Verstehen richtet sich nicht nur auf die Außenwelt, sondern auch auf die Welt in uns. "Gnothi seautón" (Erkenne dich selbst) – so lautete eine Inschrift an einer Säule des Apollotempels in Delphi, angebracht etwa 500 v. Christus. Die Selbsterkenntnis verstanden die Denker des Altertums als wesentlichen Bestandteil der Weisheit, der Philosophie. Und wenn man fragt, was damals mit Selbsterkenntnis gemeint war, so stößt man auf die schlichte Wahrnehmung der eigenen Endlichkeit: Trotz aller Weisheit solle der Mensch seine Begrenztheit nicht vergessen. Wer wirklich durchblickt, weiß also, dass er sich sein Leben nicht selbst gemacht hat und dass er es auch nicht selbst und für sich alleine vollenden kann.
Das ist keine Geringschätzung des Menschen und seiner Leistungen; aber es ist die Warnung davor, sich selbst absolut zu setzen. Das Menschenleben ist relativ – das heißt bezogen auf anderes und auf andere.
In der Bezogenheit unseres Lebens sehen wir als HSG den eigentlichen Durchblick, und ihm möchten wir dienen. Wir bieten auch in diesem Semester wieder viele Möglichkeiten, anderen Menschen zu begegnen und Neues kennen zu lernen. Denn zum Glücklich sein brauchen wir mehr als uns selbst.

Gottes Segen im Wintersemester 2011/12!

(Alfons Hämmerl und das ganze Team der HSG)