Wintersemester 2010-2011
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Nicht wirksam scheinen, sondern sein
Viele geben sich den Schein, wichtige Geschäfte zu treiben, ohne den mindesten Grund: aus allem machen sie ein Ministerium, auf die albernste Weise. Sie sind Chamäleone des Beifalls und für alle ein unerschöpflicher Stoff zum Lachen. Die Eitelkeit ist überall widerlich, hier aber auch lächerlich. Diese Ameisen der Ehre betteln sich Großtaten zusammen. Man soll hingegen seine größten Vorzüge am wenigsten affektieren: man begnüge sich mit dem Tun und überlasse andern das Reden darüber. Man gebe sein Taten hin, aber man verkaufe sie nicht. Auch miete man sich nicht goldene Federn, die Unflat schreiben zum Ekel der Klugen. Man strebe lieber danach, ein Held zu sein, als es zu scheinen.

 

aus: Handorakel und Kunst der Weltklugheit Nr. 295, von Balthasar Gracián, Spanischer Jesuitenpater (1601-1658)